RhB Gartenbahn | Abe 4/4 35 - von Stefan Wyss

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Das war der Gartenbahntreff 2018.

Abe 4/4 I 35

Beim durchstöbern von Ebay ist mir etwas Interessantes aufgefallen und nach langem Überlegen habe ich mich entschieden, den angebotenen Triebwagen Nr. 36 zu kaufen. Ich ging davon aus, dass es sich um einen umgebauten LGB Triebwagen handelt, da in der Beschreibung überall LGB Triebwagen angegeben war. Als dann aber der Triebwagen bei mir angekommen war, hat sich herausgestellt, dass lediglich die Antriebsblöcke von LGB stammen. Der Triebwagen ist ein kompletter Eigenbau und dies meiner Meinung nach auf sehr hohem Niveau. Für einmal hatte ich also Glück, nachdem ich in letzter Zeit 2-3-mal eher schlechte Erfahrungen gemacht hatte mit Ebayeinkäufen. Nun ein paar Bilder vom Triebwagen, wie er bei mir angekommen ist.

Abe 4/4 I
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Der Triebwagen unterscheidet sich stark von den LGB Fahrzeugen. Er ist, wie auch im Original, etwas länger. Das Dach ist ebenfalls komplett anders, da die Triebwagen 35-38 zwei Stromabnehmer haben. Auch die Fensterteilung dieser Fahrzeuge ist anders, was ebenfalls korrekt im Modell umgesetzt wurde. Bei einem Vergleich mit dem LGB Triebwagen fallen sehr deutlich die Fehler an der Front beim LGB Modell auf. Da werde ich wohl in Zukunft am LGB Modell noch einiges ändern.

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Nun aber ist erstmals der Triebwagen Nr. 36 in Arbeit. Das Modell muss digitalisiert werden, und da zeigt sich das können des Erbauers. Das Fahrzeug ist modular aufgebaut, das Dach lässt sich mit 4 Schrauben abnehmen, die Inneneinrichtung kann ebenfalls en Bloc herausgenommen werden, die Drehgestelle sind auch einfach auszubauen usw. Gebaut ist der Triebwagenkasten aus Kunststoff, die Inneneinrichtung ist aus Holz wie beim Vorbild. Die Drehgestell Blenden mit den Schneeräumern sind aus Metall und das Dach ist eine Alukonstruktion. Am Boden ist eine Stahlplatte angebracht, damit der Triebwagen auch genügend Gewicht auf die Waage bringt. Diverse Details aus Kunststoff sind am Unterbau angebracht. Die Beschriftung hat etwas gelitten, deshalb werde ich den Triebwagen neu beschriften. Bei dieser Gelegenheit werde ich daraus auch die Nummer 35 machen, da dieser Triebwagen noch länger im Einsatz stand beim Vorbild. So passt dann der TW etwas besser zu meinem vorhanden Rollmaterial. Die Elektronik besteht aus verschiedenen LGB Platinen, die alle schon älter sind. Deshalb gehe ich davon aus, dass der Triebwagen anfangs der 90er Jahre gebaut wurde.
Natürlich bin ich auch daran interessiert, zu erfahren wer dieses tolle Modell erbaut hat. Eine Rückfrage beim Verkäufer ergab, dass das Modell aus dem Nachlass eines Herren aus Frankfurt am Main stammt. Vermutlich ist er auch der Erbauer, da bei der Übernahme des Nachlasses auch noch diverse angefangene Modelle dabei waren. Falls jemand weiss, wer dieses Modell erbaut hat, würde ich mich über eine Nachricht freuen.

An den Triebwagen 35 kann ich mich noch sehr gut erinnern, zuletzt habe ich diesen noch einige Male im Einsatz beim Baudienst gesehen. Oft stand er in Poschiavo hinter dem Depot, dort konnte ich Ihn in seinem letzten Zustand bei der RhB nochmals fotografieren. Heute ist der Triebwagen bei der Museumsbahn Blonay-Chamby im Einsatz. Dort wurde er neu lackiert und in den Zustand zurückversetzt, als er zum ersten Mal das rote Farbkleid trug. Schön das immerhin einer dieser längeren Triebwagen der RhB überlebt hat.

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Mittlerweile ist der Triebwagen fertig digitalisiert und zur Nummer 35 umnummeriert. Nebst diversen reparturarbeiten habe ich neue Lampenfassungen angefertig, und die Beschriftung neu gemacht.

Abe 4/4 I
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Zum Ende habe ich noch die Routentafeln gebastelt.

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Mittlerweile hat sich bei mir einer der Erbauer gemeldet. Von den Triebwagen sind von den beiden Erbauern insgesamt 5 Stück entstanden. F. Lotz hat mir zum Bau folgendes berichtet:
«Ich will etwas zur Entstehung dieser Triebwagen Schreiben. Bei einen Spur 2 Treffen in Bad Hersfeld etwa 1988 habe ich einen LGB -Freund aus Frankfurt kennengelernt und bald engen Kontakt mit ihm gepflegt.
Er hatte im Keller eine grosse LGB-Anlage mit umfangreichem Fahrzeugpark u.a. etliche Höhne - Wagen. Er war ebenfalls RhB-Fan. Seine Anlage hatte aber den Nachteil, dass nur R1 Radien verbaut waren. Wir haben bald ein erstes Projekt gestartet, die Diesellok 241, die damals bei der RhB umgebaut und neu lackiert worden war. 2 Loks 2051 wurden mit neuer Beleuchtung, Rangiertritten, Spiegeln, Abdeckungen über den Seitenfenstern versehen und von einem weiteren Bekannten orange lackiert. Ein Problem war damals die Beschriftung. Sie wurde aus einzelnen Aufreibebuchstaben mühsam aufgerieben und nachher überlackiert.
1991 begannen wir mit dem Triebwagenprojekt. Pläne wurden aus den Jeanmaire Büchern vergrössert. Die Altbautriebwagen wurden ausgewählt, weil sie im Massstab 1:22,5 noch mit kleinen Tricks auf R1 liefen. Der Freund in Frankfurt wohnte etwa 200 km von mir entfernt. Alle Absprachen wurden über Telefon oder per Post getroffen. Er hatte sehr gute Verbindungen zur damaligen Firma LGB und besorgte die nötigen Ersatzteile. Gebaut werden sollte jeweils 1 Exemplar Nr 32 u. 34 und je 1 Exemplar Nr. 36 u. 37.
Ausserdem ein Probefahrzeug Nr. 34 aus Flugzeugsperrholz, während die übrigen Gehäuse aus Polystyrol erhielten. Für die Drehgestelle wurden Antriebe der LGB Lok 2051 verwendet, wobei die Drehpunkte 20mm nach hinten versetzt wurden (R1). Die Drehgestellrahmen wurden aus Messingkleinteilen in Vorrichtungen gelötet. Die Gehäuse der beiden Typen unterscheiden sich etwas in der Fensteraufteilung. Die Inneneinrichtung entstand aus Flugzeugsperrholz. Die Vertäfelung wurde mit Bleistift aufgezeichnet. Die Sitze wurden ebenso aus Sperrholz mittels Laubsäge ausgesägt. Die Dächer bestehen aus einer Grundplatte und gebogenen Blechteilen aus 1 mm Alu.
Zur Erhöhung des Gewichts wurde unter dem Boden eine Eisenplatte eingebaut.
Besonderen Aufwand bedeuteten die Widerstandsnachbildungen auf dem Dach und die unter dem Boden befindliche Ausrüstung. Hierzu wurden bei Reisen in Graubünden immer wieder Detailfotos gemacht, was vor allem bei den Dächern nicht einfach war. Am 9.2.1992 wurden die Fahrzeuge in Frankfurt zur Probe gefahren, bevor sie dort von einem weiteren Helfer lackiert wurden. Die elektrische Ausrüstung entwarf der Frankfurter Freund. Wegen der Besonderheiten seiner Anlage wurden noch im Dach jeweils 2 Klinkenstecker eingebaut, damit bei Doppeltraktion analog der Strom jeweils vom vorderen Wagen abgenommen wurde. Ob das funktionierte habe ich auf meiner alten analogen Anlage nicht ausprobiert.
Die Triebwagen wurden mit den damals vorhandenen 3 unterschiedlichen RhB- Beschriftungen versehen. Hierzu hatte der Frankfurter Freund dort einen Drucker ausfindig gemacht, der die RhB- Schrifttypen erkannte und nachsetzen konnte.

Ich habe das alles sehr ausführlich beschrieben, weil die Triebwagen vor etwa 25 Jahren ohne die heutigen technischen und organisatorischen Möglichkeiten mit viel Spass gebaut wurden.»

An dieser Stelle möchte ich mich nochmals herzlichst bei F. Lotz bedanken, dass er sich bei mir gemeldet hat und die Geschichte des Triebwagens so ausführlich beschreiben konnte. Die Modellbauleistung ist umso höher einzustufen, wenn man Bedenkt, dass die Triebwagen noch komplett ohne Computer, CNC oder 3D Druck Technik entstanden.

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