Brawa RhB G 4/5
Unglaublich gross war die Euphorie, als 2005 von Brawa die G 4/5 108 mit 4 Wagen in IIm angekündigt wurde. Nebst der Detailtreue überzeugte auch die komplett Massstäbliche umsetzung und von vielen Seiten war das Lob gross, dass nebst der Lok gleich auch die passenden Wagen mit angekündigt wurden. Brawa setzte schlicht und einfach neue Massstäbe im Kunststoff Modellbau in 2m. Bald nachd er Auslieferung 2006 verflog dann aber die Euphorie. Die verbauten Motoren liessen sich mit den damals Handelsüblichen Grossbahndekodern nicht steuern, alle digitalen Loks wurden sodan zurück gerufen und es wurden Maxon Motoren nachgerüstet. Nachdem wir anfangs noch zögerten, haben wir uns dann doch auch für den Kauf einer G 4/5 entschieden, eine die bereits mit neuem Motor ausgestattet war. Und die Freude über das Modell war gross. Die Lok hatte viele Kilometer auf unserer Anlage abgespuhlt und war fast jeden Fahrtag im Einsatz. Bereits nach einem Jahr machte sich wiederum ernüchterung breit, denn erste Berichte tauchten auf, wonach der Kunststoff der Loks an diversen stellen breche und somit auch die Schraubenhalterungen ausrissen. Und tatsächlich war dann auch unsere Lok davon betroffen. Hat man die Lok am Umlaufblech angehoben, blieb das Fahrwerk gleich stehen. Alle schrauben waren ausgerissen. Also ging die Lok zur Reparatur, koordiniert wurde dies damals durch Digitoys-Systems.Nach der Reparatur hatte die Lok nicht mehr viele Einsätze, trotzdem zerledgte sich diese weiter in ihre Einzelteile. viele der feinen Anbauteile sind abgebrochen, so verfiel die Lok dann in einen Dornröschenschlaf. Im verlaufe der Zeit hat dann ein Kollege mit ähnlichen Problemen entschieden, seine Lok günstig zu veräussern. Ich habe diese dann als Ersatzteilspender übernommen, mit dem Ziel aus 2 Loks wieder eine Fahrfähige Lok aufzubauen. Lange hat es gedauert, unterdessen haben sich weitere Teile von ausgeschlachteten Loks bei mir angesammelt. Anfangs 2023 habe ich mich dann endlich dem wiederaufbau angenommen. Da mittlerweile soviele Teile vorhanden waren von ausgeschlachteten Loks, habe ich entschieden, doch wieder 2 Loks aufzubauen.
In einem ersten Schritt wurden die Loks komplett zerlegt. Danch ging es ans Ausbessern der ausgerissen Gewinde und der gebrochenen Teile. Diverse Stellen wurden mit Kleber und Filler aufgedoppelt und verstärkt, teilweise wurden auch neue Kunststoffteile angefertigt zur Verstärkung.
Diverse Anbauteile mussten repariert oder neu erstellt werden. Dabei habe ich teilweise auf Weissmetallteile zurück gegriffen. Wo ich keine passenden Teile mehr hatte, habe ich bestehende Teile mit Kunststoff und Messingprofilen wieder neu aufgebaut. Die Leitungen für die Ölpumpe habe ich aus Drähten wieder neu geformt.
Die bestehende Elektronik habe ich ebenfalls entfernt und die Loks komplett neu verkabelt. Dabei wurden die ganzen Lampen gleich auf LED Beleuchtung umgebaut. Verbaut wurde neu ein Zimo MX699 Dekoder mit dem Däppen-Sound. Unsere Lok hatten wir damals bereits mit einer Stromabnahme im Tender versehen, da war dazumals eine Zusatzplatine erhältlich. Für die zweite Lok habe ich mit LGB Kohlen selbst eine entsprechende Platine angefertigt. Auch die gepulsten Rauchgeneratoren habe ich angepasst, da habe ich welche von Zimo eingebaut. Allerdings habe ich gleich neue Gehäuse angefertigt, welche wesentlich mehr Platz für Rauchdestilat bieten. Somit muss ich nicht mehr nach 2 Runden Fahrspass destilat nachfüllen. Platz ist in dem Grossen Kessel der Lok genügned vorhanden.
Nun stellte sich die Frage, was passiert mit der zweiten Lok. Eine Nr. 108 möchte ich nicht doppelt haben, die Nr 107 haben wir bereits von Kiss. Also habe ich etwas zu recherchieren begonnen. Den Zug, den Brawa damals ausgeliefert hatte, ergibt zwar ein stimmiges Bild, wenn man das ganze aber etwas genauer betrachtet, passen die Fahrzeuge nur bedingt zusanne. Vor den Zug hätte eigentlich eine schwarze G 4/5 vor den Zug gehört. Grün wurden lediglich die Loks 107 und 108, die auch heute noch als historische Loks bei der RhB in Betrieb sind. Diese wurden als Fahrdraht unabhängige reserven vorgehalten und erhielten das grüne Führerhaus erst 1943. Der Wagen AB 21 den Brawa damals umgetzt hat, war jedoch nur bis 1909 als AB unterwegs, danach wurde dieser zu einem reinen 2. Klassewagen und bereits 1914 wurde der Wagen ausrangiert. Auch die 2. Klasse Wagen die Brawa hergestellt hat, waren nur bis 1911 mit der dreistelligen Nummer unterwegs, danach wurden auch diese umbeschriftet. Der Packwagen F4051 war nochmals aus einer anderen Zeit, dieser wurde bei der RhB erst 1925 in Betrieb genommen und wurde auf Fahrgestellen von ausrangierten Personenwagen aufgebaut. Also passt der Zug so, wie Brawa diesen damals angekündigt hatte, streng gesehen eigentlich nicht zusammen. Nun habe ich von Kiss die Mallet bei mir im Einsatz und die von LGB angekündige G 3/4 Engadin gefällt mir auch gut. Da fehlt dann eigentlich noch eine scharze G 4/5. Also habe ich mich entschieden, eine der Loks umzubeschriften. Damit alles dann auch zusammenpasst, habe ich mich für die Nr 111 entschieden. Diese war von 1907 -1920 bei der RhB im Einsatz und passt somit, ausgenommen vom Packwagen, auch zum Brawazug. Ebenfalls passt Sie zur Kiss Mallet, diese wurde 1911 mit einer zusätzlichen Laufachse ausgerüstet.
Die Umbeschriftung war insofern nicht so einfach, da Brawa die erhabenen Ziffern der Loknummer direkt am Kunststoff angegossen hat. Somit wurden die erhabenen Ziffern zuerst abgeschliffen, dann der Tender, das Lokgehäuse und der Kamin neu lackiert und zum Schluss wurde die neu Bschriftung angebracht.
Zum Schluss fehlte noch bei einer Lok der Kohleeinsatz im Tender, womit ich auch diesen noch neu angefertigt hatte. Danach wurden auf den beiden Tendern die Kohlesäcke wieder befestigt, alle Teile angebracht und die Loks fertig montiert. Nun sind die beiden Loks bereit für ihre zweite Jungfernfahrt.
